Ernst Trumpp (1828-1885) und die Übersetzung des Guru Granth Sahibs im kolonialen Kontext

21.12.2017

Areshpreet Wedech

  • Betreuung: Martin Gaenszle

Mit der Annexion des Sikh-Reichs durch das British Empire 1849 wurde die britische Administration vor neue Fragen gestellt: Wie sollten die Sikhs, die vertraut und zugleich fremd waren, in das British Empire integriert werden? Zwar gab es damals einige Informationen über die Sikhs, da diese aufgrund ihrer kriegerischen Natur immer wieder das Objekt der Begierde für zahlreiche Historiker darstellten, jedoch bestand ein Bedarf an weiteren fundierten Informationen über sie und ihre Religion. Nicht nur die britische Administration, sondern auch die christlichen Missionare, die sich zu dieser Zeit im Aufwind befanden und die Sikhs bekehren wollten, waren an den Sikhs interessiert, und aus der unbeabsichtigten Verknüpfung dieser beiden Interessensgemeinschaften kam es zu einem Übersetzungsprojekt (1857-1877) des Guru Granth Sahibs (Adi-Granths) und Dasam Granths, welches der Sprachforscher Ernst Trumpp ausführte – ein in der Forschung bislang wenig beachteter Mitbegründer der Modernen Südasienkunde. Als Resultat dieses Projekts erschien 1877 die erste Übersetzung des Guru Granths „The Ādi Granth: Or, the Holy Scriptures of the Sikhs“ mit einem Vorwort und einer umfassenden Einleitung. Ernst Trumpp arbeitete nicht mit den Sikhs zusammen, da er diese nicht als fähig genug sah, ihren eigenen Granth richtig zu verstehen. Schnell folgte auf diese Übersetzung eine Welle der Kritik, die bis heute ungebrochen ist. Zwar stellte Ernst Trumpps Übersetzung eine Pionierleistung dar, jedoch wird sein eigentlicher Verdienst darin gesehen, dass es zu einem Diskurs und zahlreichen Reaktionen kam, sowie zu einer weiteren Übersetzung, „The Sikh Religion“, die von der Singh Sabha initiiert und von Max Arthur Macauliffe verfasst wurde. Die Fragestellung lautet: Weshalb stieß die Übersetzung des Guru Granth Sahibs von Ernst Trumpp aus dem Jahr 1877 auf heftige Kritik? Inwieweit resultiert diese Ablehnung aus dem Inhalt der Übersetzung, und inwieweit an der Person Ernst Trumpps, die von den Sikh- Gelehrten nicht akzeptiert wurde? Bis auf eine Ausnahme wurde in der Sekundärliteratur die Übersetzung nicht als Begründung für die Ablehnung Trumpps hergenommen, sondern stets das Vorwort und die Einleitung, in denen er offen seine negative Meinung zum Sikhismus, den Gurus und dem Granth kundtut. In dieser Arbeit sollen diese beide Übersetzungen, einerseits die von Trumpp und andererseits die von Macauliffe, einer philologischen Analyse unterzogen und miteinander verglichen werden. Hierbei wird davon ausgegangen, dass sowohl Trumpps Person maßgeblich an der kritischen Reaktion schuld ist als auch seine Übersetzung ihren Teil leistete. Ferner ist es das Ziel der Arbeit, einen umfassenden Beitrag zu Trumpps Leben zu liefern, indem die bisherigen Einzeldarstellungen zusammengefügt und durch eine Feldforschung erweitert werden.