Geschichte des ISTB
1845 | Anfänge
1845 beginnt die akademische Südasienforschung in Wien: Anton Boller führt erstmals Sanskritunterricht an der Universität ein. Zehn Jahre später wird er auf die Lehrkanzel für vergleichende Sprachforschung und Sanskrit berufen.
Seine zentrale Leistung ist eine umfassende Sanskrit-Grammatik für Studium und Selbstunterricht.
Nach seinem Tod wird die Tradition von Friedrich Müller fortgeführt.
1880 | Institutionalisierung
1880 wird mit Georg Bühler eine eigene Lehrkanzel für altindische Philologie geschaffen. Der international renommierte Indologe prägt mit Forschung, Editionen und Institutsaufbau die Wiener Schule entscheidend.
Unter ihm erlebt die Indologie in Wien eine erste große Blüte und zieht zahlreiche Studierende an.
Nach seinem Tod 1898 führt Leopold von Schroeder die Forschung mit Schwerpunkt auf Veda, Mythologie und Literaturgeschichte weiter.
1920 | Umbrüche
Nach dem Tod von Schröders 1920 bleibt der Lehrstuhl lange unbesetzt; die Lehre wird v. a. von Bernhard Geiger getragen.
Erich Frauwallner tritt ab den späten 1920er Jahren hervor und prägt die Indologie mit grundlegenden Arbeiten zur Philosophie.
Die NS-Zeit bringt Brüche: Geiger wird vertrieben, Frauwallner übernimmt zentrale Funktionen.
Nach 1945 erfolgt ein Neubeginn; ab den 1950er Jahren etabliert Frauwallner die Indologie in Wien neu und institutionell.
1955 | Institut für Indologie
1955 wird das Institut für Indologie gegründet und unter Frauwallner auf indische Philosophie ausgerichtet.
Seine philologisch-historische Methode prägt die Wiener Schule nachhaltig und international. Die Wiener Zeitschrift für die Kunde Süd- und Ostasiens mit dem Archiv für indische Philosophie wird von ihm ins Leben gerufen und ist bis heute unter dem Namen Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens international hoch angesehen.
Unter Gerhard Oberhammer wird das Profil um Religionsphilosophie und interreligiösen Dialog erweitert.
Das Institut entwickelt sich zu einem zentralen Standort – parallel entsteht später ein eigenständiges Institut für Tibetologie, bevor beide zusammengeführt werden.
1973 | Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde
1973 wird das Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde gegründet und unter Ernst Steinkellner aufgebaut.
Mit Fokus auf buddhistische Philosophie entwickelt es sich zu einem internationalen Zentrum mit starker Vernetzung.
Forschung und Lehre erweitern sich um Kunstgeschichte sowie Kultur- und Sozialanthropologie.
Parallel zum Institut für Indologie etabliert sich damit ein zweiter Schwerpunkt, der später gemeinsam weitergeführt wird.
1999 | Zusammenschluss - ISTB
1999 werden Indologie sowie Tibetologie und Buddhismuskunde zum Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde vereint. Unter Karin Preisendanz und Ernst Steinkellner entsteht damit ein international sichtbares Zentrum der Asienforschung in Wien. Die Bündelung der Disziplinen ermöglicht neue Synergien in Forschung und Lehre und stärkt die interdisziplinäre Ausrichtung nachhaltig.
Das Institut entwickelt sich zu einem lebendigen, global vernetzten Standort mit vielfältigen Schwerpunkten in Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde.
1989–heute | Internationale Konferenzen
Die Organisation internationaler Konferenzen zählt seit Jahrzehnten zu den zentralen Aktivitäten des Instituts. Bereits mit der Dharmakīrti-Konferenz (1989) und der World Sanskrit Conference (1990) setzte Wien wichtige Akzente, die sich in jüngerer Zeit in Veranstaltungen wie beispielsweise Yoga in Transformation (2013), der 17. Konferenz der International Association of Buddhist Studies (2014) sowie der 26. European Conference on South Asian Studies (2021) fortsetzen. Ergänzt werden diese Großtagungen durch zahlreiche kleinere, thematisch fokussierte Konferenzen, Workshops und ein vielfältiges Gastvortragsprogramm, die gemeinsam eine lebendige und international vernetzte Forschungskultur am Institut prägen.
1999–heute | Gastprofessuren & internationale Lehre
Internationale Gastprofessuren bereichern seit den späten 1990er Jahren regelmäßig das Lehrangebot des Instituts.
1999 konnte eine Gastprofessur für Buddhismuskunde der Numata-Stiftung begründet werden; 2011 wurde ein Abkommen mit dem Indian Council for Cultural Relations zur Einrichtung einer Gastprofessur im Bereich der modernen Südasienkunde unterzeichnet.
Dank dieser Abkommen besuchen regelmäßig internationale Forschende Wien, erweitern das Lehrangebot und stärken den direkten Austausch mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen. So wird die Lehre am ISTB kontinuierlich international verankert.
2010–heute | Sommerschulen & Nachwuchsförderung
Seit 2010 organisiert das Institut - häufig in Kooperation mit anderen Institutionen wie dem Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - internationale Sommerschulen, etwa fortgeschrittene Sprachkurse in Newari oder Nepali, sowie zur Übersetzung buddhistischer Texte oder Texte zur indischen Philosophie. Sie ziehen Studierende aus aller Welt an und fördern gezielt den wissenschaftlichen Nachwuchs.
So entsteht ein dynamisches Umfeld für Ausbildung und internationale Vernetzung.
1957–heute | Publikationen & Wissenschaftskommunikation
Am Institut herausgegebene Publikationsreihen und Fachzeitschriften sind seit Jahrzehnten zentral für die wissenschaftliche Arbeit des Instituts. Dazu zählen etwa die international renommierte Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens oder die Wiener Studien zur Tibetologie und Buddhismuskunde.
Sie machen Forschung aus Wien weltweit sichtbar und zugänglich.
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