Frühe Darstellungen des Pāśupata in der Kunstdichtung des Sanskrit und Prakrit

01.01.2012

Christian Ferstl

  • Betreuung: Karin Preisendanz

Dieses Dissertationsprojekt im Gebiet der Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien beabsichtigt eine historischkritische Untersuchung der als Pāśupata bekannten religiösen Traditionen des indischen Śivaismus auf der Grundlage von primären Textzeugnissen in Sanskrit und verschiedenen mittelindischen Idiomen (Prakrits). Dabei sind zwei Studienobjekte klar zu unterscheiden: einerseits die Darstellungen der historischen Lehren, Riten und Verhaltensweisen der heute nicht mehr existenten Pāśupatas und deren eigentümliche Stellung innerhalb der indischen Gesellschaft des ersten Jahrtausends u.Z.; und andererseits die Textquellen selbst, v.a. in der Hinsicht, dass diese Textzeugnisse nicht die wenigen erhaltenen traditionseigenen Lehrwerke der Pāśupatas sind, sondern literarisch-poetische Dichtungen, verfasst von Hofdichtern, die nicht der Tradition der Pāśupatas angehörten. Die philologische Untersuchung muss daher eine kontextuell sensitive Einordnung und Bewertung der Werke leisten und die darin erkennbaren literarischen Stilisierungen und poetischen Konventionen berücksichtigen. Denn die Darstellungen der teilweise exzentrischen Kulte und Verhaltensweisen der Pāśupatas dienen in literarisch-poetischen Werken (kāvya) naturgemäß anderen Zwecken als die normierenden und preskriptiven Lehrwerke der Pāśupatas. Beiden Genres, so die der Arbeit zugrundeliegende Annahme, ist ein gewisser historischer Wahrheitsgehalt zuzuschreiben. Dieser ist jedoch von den jeweiligen literarischen Erfordernissen und Gepflogenheiten und nicht zuletzt von der Perspektive des jeweiligen Autors überlagert. Die Dissertation kann als Motivstudie bezeichnet werden, die vermittels einer Untersuchung literaturgeschichtlicher Elemente versucht, sich an ein religionsgeschichtliches Phänomen anzunähern. Sie wird ihren Beitrag sowohl zur Literatur- wie auch zur Religionsgeschichte Indiens leisten. Die Arbeit wird in englischer Sprache verfasst.

Für dieses Dissertationsprojekt wurde Christian Ferstl ein uni:docs Stipendium verliehen.