Der Wortschatz der Säuleninschriften Asokas

01.02.2016

Dimitri Robl

  • Betreuung: Chlodwig H. Werba

Unter Kaiser Asoka (Krönung ~268 v.Chr.) wurden die ältesten erhaltenen Inschriften in einer indoarischen Sprache abgefasst. Dabei achtete man bereit auf die linguistische Vielfalt innerhalb des Reiches, weshalb das Gesamtkorpus Texte in drei mittelindischen Sprachen, aber auch in Griechisch und Aramäisch enthält. Die Säulenedikte stellen ein geschlossenes Subkorpus dar, das in einer ostmittelindischen Varietät, der sog. 'Kanzleisprache' abgefasst wurde und in große und kleine Edikte unterteilt werden kann, von denen manche an mehreren Orten in (fast) gleichem Wortlaut zu finden sind.

In der für diese Inschriften verwendeten Schrift, der Brāhmī, gibt es mit Ausnahme der Nasale keine Möglichkeit geminierte Konsonanten zu bezeichnen, obwohl solche Geminaten eines der Kernmerkmale des Mittelindischen bilden. Dieses Problem wurde in der bisherigen Forschung ungenügend berücksichtigt, und in der Praxis hat sich eine kaum objektivierbare Mischform aus Transliteration und Transkription eingebürgert. Auch ein Wortverzeichnis, das alle Wortformen samt vollständiger Belegsammlung enthält, bleibt bisher ein Desideratum.

Ziel der Masterarbeit ist es nun, eben diese Lücken zu schließen. Dazu sind drei Abschnitte vorgesehen:

  1. Im ersten Teil soll die bisherige Forschungsgeschichte zusammengefasst und kritisch reflektiert werden.
  2. Der zweite Teil wird aus Transliteraten aller belegten Wortformen bestehen, wobei deren Anordnung nicht der des lateinischen Alphabets, sondern jener der Brāhmī folgt. Zu jedem Transliterat werden alle Belege sowie ein Verweis auf das jeweilige Lemma in Abschnitt 3 angegeben. An dieser Stelle soll keinerlei Interpretation der Daten erfolgen, um ein möglichst objektives Bild liefern zu können. Als Grundlage werden alle verfügbaren Editionen samt Facsimiles von Abklatschen dienen. Bei unterschiedlichen Lesungen erhalten alle Varianten eigene Einträge, mit Verweisen aufeinander.
  3. Der abschließende dritte Teil soll die zuvor erarbeiteten Daten Wortstämmen zuordnen, sie analysieren und für jeden flektierbaren Stamm – verbal wie nominal – das gesamte innerhalb des untersuchten Korpus belegte Paradigma angeben. In diesem Abschnitt werden alle Formen in phonologisch interpretierter Transkription angeführt, wie sie sich aus dem Sprachvergleich erschließen lässt. Hierfür werden vorhandene Entsprechungen im Pāli, der Ardhamāgadhī und dem Sanskrit angeführt, um die gegebenen Analysen nachvollziehbar und verifizierbar zu machen. Die Lemmata sind wiederum nach dem System der Brāhmī geordnet, wobei besonders bei strittigen Formen auf verschiedene Lösungsansätze hingewiesen wird.