Die dīkṣā im Pāñcarātra. Eine Beschreibung des Rituals anhand des Vergleichs der jeweiligen Passagen in der Pādmasaṃhitā und in der Viśvāmitrasaṃhitā

01.06.2015

Lena Gohlke

  • Betreuung: Marion Rastelli

Die südindische, tantrische Tradition des Pāñcarātra, die auch heute noch in der Śrīvaiṣṇava-Tradition lebendig ist, verehrt als höchsten Gott Viṣṇu. Die älteste textliche Ressource, die mit dieser Tradition in Verbindung gebracht werden kann, ist das Nārāyaṇīya - eine Passage aus dem zwölften Buch des Mahābhārata.

Da das Pāñcarātra keine einheitliche Tradition ist, findet sich ein Textkörper von ca. 200, in Dialogen verfassten Saṃhitās, in der die jeweiligen Subtraditionen ihre, teilweise sehr ähnlichen, Lehren kundtun. Zwei dieser Saṃhitās sind die Pādmasaṃhitā (12. Jahrhundert) und die Viśvāmitrasaṃhitā (Datierung nicht bekannt).

Zum Eintritt in die Tradition ist eine Einweihung, die dīkṣā, erforderlich. Anhand der Übersetzungen der Textstellen über das Einweihungsritual in der Pādmasaṃhitā und in der Viśvāmitrasaṃhitā wird eine umfassende Beschreibung dieses Rituals möglich, das in beiden Texten weitgehend ident dargestellt wird. Die darin enthaltenen Ritual-Blöcke des dreitägigen Ereignisses werden analysiert und die einzelnen Komponenten, wie beispielsweise mantras, mudrās, Ritualutensilien, maṇḍalas und der Schauplatz an sich, untersucht. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Passagen in den Saṃhitās werden herausgearbeitet.

Es wird sowohl den, im Ritual sichtbar werdenden Gottesvorstellungen und philosophischen Grundlagen Raum gegeben, wie auch den religiösen Praktiken, in die der Schüler mit diesem Ritus eingeführt wird und die für den religiösen Alltag eines Anhängers des Pāñcarātra charakteristisch sind.