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Das Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde (ISTB) an der Universität Wien ist aus den beiden Instituten für Indologie und für Tibetologie und Buddhismuskunde hervorgegangen, die sich am 5.12.2000 zusammenschlossen - ein Zusammenschluss, der durch die neu geschaffene räumliche Situtation wesentlich erleichtert wurde, da 1998 beide Institute (beinahe) angrenzende Räumlichkeiten im neu gestalteten Campus (ehemaliges Altes Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien) bezogen. Im folgenden werden die Etappen der historischen Entwicklung der im neuen Institut vereinigten Forschungsdisziplinen mit Standort Wien aus der Perspektive des jeweiligen Faches skizziert.

Zur Geschichte der Wiener Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde

Die Südasienkunde

Der Begriff "Südasienkunde" im neuen Institutsnamen löst den der "Indologie" ab, welcher seit dem 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum für die akademische Erforschung der Geistes- und Kulturgeschichte Südasiens, des sich südlich vom Himalaya-Massiv bis nach Sri Lanka erstreckenden geographischen Raums, in Verwendung gewesen ist, eines Raums, dessen Kultur mit westlichen und östlichen Ausläufern bis in den Iran bzw. nach Südostasien wirkte. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Erschließung der älteren Periode der durch die Sanskrit-Sprache geprägten vielfältigen kulturellen Ausformungen. Der Wechsel in der Terminologie soll einerseits dem Missverständnis vorbeugen, daß eine "Indienkunde" sich nur auf die Kultur innerhalb der politischen Grenzen des heutigen Staates gleichen Namens beschränken würde, andererseits soll die neue Bezeichnung "Südasienkunde" darauf aufmerksam machen, daß die sanskritische Kultur des Subkontinents nicht die einzige und dabei etwa gar monolithische Kulturtradition Südasiens ist; die sanskritische Große Tradition entwickelte sich vielmehr in vielfältiger Weise in Wechselwirkung mit oder auch Opposition zu verschiedenen in Südasien entstandenen und dort ansässig gewordenen Traditionen und wirkte auch nicht einseitig — im Sinne des maßgeblich kulturstiftenden Faktors — auf die umliegenden Regionen, sondern stand im beständigen Wechselspiel mit deren Traditionen. Zugleich soll die Ausweitung der geistes- und kulturgeschichtlichen Forschung auf die südasiatische Neuzeit (ab dem 16. Jahrhundert) sowie das Hinzukommen der Erforschung der Kultur und Gesellschaft des modernen Südasien signalisiert werden.

Wenn nun im folgenden dennoch von der "Indologie" die Rede ist, berücksichtigt dies nicht nur die historische Verwendung einer heute zunehmend veralteten Bezeichnung für die akademische Südasienforschung, sondern auch die Tatsache, dass "Indien" von vielen im Rahmen der Südasienkunde wirkenden Personen bis vor wenigen Jahrzehnten nicht als ein politischer, sondern als ein auf einen reichen kulturellen Komplex bezogener Begriff verstanden wurde.

Anfänge

Die akademische österreichische Südasienforschung beginnt mit dem Jahr 1845, als erstmals an der Universität Wien Sanskrit von Anton Boller gelehrt wurde, der zehn Jahre später auf die Lehrkanzel für vergleichende Sprachforschung und Sanskrit berufen wurde. Als Bollers wichtigste Arbeit im Gebiet der Südasienforschung ist die "Ausführliche Sanskrit-Grammatik für den öffentlichen und Selbstunterricht" zu nennen. Nach Bollers Tod wurde das Sanskrit von Friedrich Müller vertreten, der Professor für vergleichende Sprachforschung und Orientalistik war.

Die Lehrkanzel für altindische Philologie und Altertumskunde

Am 10. Oktober 1880 wurde mit Georg Bühler einer der größten Indologen des 19. Jahrhunderts auf die neu geschaffene Lehrkanzel für altindische Philologie und Altertumskunde berufen. Zuvor war er als Professor of Oriental Languages am Elphinstone College in Bombay tätig gewesen, wo er im Zuge seiner Arbeiten an einem "Digest of Hindu Law" für den Bombay High Court zahlreiche Textausgaben und Übersetzungen alter indischer Rechtstexte erstellte. Daneben galt seine Forschertätigkeit der indischen Kunstdichtung und historischen Literatur. Bühler war zudem einer der damals besten Kenner der indischen Epigraphik und Paläographie — er untersuchte und sammelte im Auftrag der britisch-indischen Regierung Handschriften aus den einheimischen regionalen Bibliotheken und Privatsammlungen — und Mitbegründer der wichtigen Bombay Sanskrit and Prakrit Series.

Mit Bühlers Berufung nach Wien begann eine Blütezeit der Wiener Indologie. Seine Anziehungskraft auf Studenten und andere Gelehrte ist durch einen Kollegen dokumentiert, der berichtet, dass er bei einem Besuch in Wien in Bühlers Sanskritkurs an die fünfzig Hörer gezählt habe (vgl. Jolly 1899: 9).

Bühler bemühte sich um den Ausbau der Orientalistik in Wien und war an der Gründung des Orientalischen Instituts der Universität Wien, dem das Fach Indologie angehörte, sowie der "Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" maßgeblich beteiligt. Neben seinen zahlreichen Forschungsarbeiten übernahm Bühler auch die Herausgabe des bis heute in vieler Hinsicht noch wertvollen, monumentalen "Grundriß der indoarischen Philologie und Altertumskunde". Zeitlebens bemühte er sich, die persönliche Verbindung mit Indien aufrechtzuerhalten.

Bühlers tragischer Tod im Jahr 1898, als er auf einer Bootsfahrt auf dem Bodensee ertrank, führte zu einer Neuorientierung der Wiener Indologie. Ein Jahr später übernahm der Veda-Forscher Leopold von Schroeder den Lehrstuhl. (Zu einem annotierten Schriftenverzeichnis von Schroeders siehe Griffiths - Werba 2006). Zuvor, in seiner Zeit als Dozent in Livland, gab er nach damals neu entdeckten Handschriften die Maitrāyaṇī-Saṃhitā heraus, danach — mit Abschluss der Arbeiten in Wien — die Kāṭhaka-Saṃhitā. Seine Studien zu den Dialoghymnen des Ṛgveda, die er als Mysterienspiele und frühe dramatische Vorstellungen interpretierte, führten zur Publikation seines Buches "Mysterium und Mimus im Ṛgveda". Ferner widmete von Schroeder sich der vergleichenden Mythologie und Volkskunde, mit besonderer Berücksichtigung der Kultur der vedischen Periode, sowie der Interpretation der vedischen Religion und Religiösität (vgl. von Schroeder 1921: 158). Sein Zyklus von fünfzig Vorlesungen zur indischen Literatur und Kulturgeschichte erschien in Buchform unter dem Titel "Indiens Literatur und Kultur in historischer Entwicklung".

Die Periode der Vakanz des Lehrstuhls

Nach von Schroeders Tod im Jahr 1920 begannen intensive Bemühungen, den deutschen Indologen Otto Schrader nach Wien zu berufen, die jedoch 1925 endgültig scheiterten. Während dieser Zeit und in den folgenden Jahren wurde die indologische Lehre am Orientalischen Institut von Bernhard Geiger abgedeckt. Geiger hatte ein umfassendes Studium der orientalischen Philologie am Institut absolviert und im Gebiet der semitischen Sprachen und Literaturen promoviert. Er habilitierte sich 1909 in Wien nach ergänzenden indologischen Studien an mehreren deutschen Universitäten im Fach "Altindische und altiranische Philologie und Altertumskunde" mit einer Arbeit zur einheimischen indischen Grammatikwissenschaft und wurde kurz vor von Schroeders Tod zum Extraordinarius ernannt. Auch wenn Geigers wissenschaftliche Arbeiten vorrangig im Bereich der Iranistik lagen, so zeugt doch seine fast dreißig Jahre währende indologische Lehrtätigkeit von einem beeindruckend breiten Überblick über das Fach. Ab dem akademischen Jahr 1928/29 begann Erich Frauwallner, der als Mittelschullehrer tätig war, zum Lehrangebot in der Indologie beizutragen. Frauwallner hatte sich schon zu Beginn seines Studiums der klassischen Philologie in Wien, welches er mit einer Studie zu den Synonymen zur Bezeichnung der seelischen Regungen beschloss, der Sanskritphilologie zugewandt. Seine ersten Studien zur Geschichte der indischen Philosophie, in denen er auf innovative Weise upanishadische und epische Quellen bearbeitete, entstanden in den frühen zwanziger Jahren und führten 1927 zu seiner Habilitation im Fach "Indische Philologie und Altertumskunde". Hierauf folgten bahnbrechende Arbeiten zur Erschließung der logisch-erkenntnistheoretischen Tradition des Buddhismus. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 wurde Geiger, der Jude war, aus dem Dienst entlassen und ins amerikanische Exil getrieben, wo er in New York seine Karriere am Asia Institute und an der Columbia University fortsetzen konnte (vgl. Frye 1963/64), und Frauwallner vom Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zum Extraordinarius für indische und iranische Philologie (als "Dozent neuer Ordnung") ernannt. 1942 folgte seine Ernennung zum Direktor des Orientalischen Instituts. Während der Kriegszeit übernahm Frauwallner daher auch die iranistische Lehre am Institut, neben der Lehre in der Indologie mit Schwerpunkt auf der indischen Philosophiegeschichte; seine Forschungen weitete er in dieser Zeit auf die brahmanischen philosophischen Traditionen aus. Nach seiner Einziehung zum Militärdienst im Frühjahr 1943 wurde die indologische Lehre ausgesetzt.

Nach einem Hiatus von etwas mehr als zwei Jahren nahm die Wiener Indologie 1945 einen neuen Anfang. Da Frauwallner aufgrund seiner Parteimitgliedschaft unmittelbar nach dem Krieg entlassen worden war (eine Maßnahme, die etwa drei Jahre später in seine Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand umgewandelt wurde), wurde die Indologie von einem jungen deutschen Privatdozenten, Herbert Günther, vertreten, dessen hauptsächliches Forschungsgebiet der buddhistische Tantrismus in Indien und Tibet werden sollte (ein Verzeichnis seiner Schriften finden Sie beim Buddhistischen Studienverlag unter dem Menüpunkt "Downloads"). Wie auch vor ihm Geiger offerierte Günther ein umfassendes indologisches Lehrangebot. Nach seinem Weggang nach Indien im Jahr 1951 trat der Privatdozent Karl Ammer an seine Stelle, der im Bereich der indoiranischen und altindischen Sprachwissenschaft arbeitete. Kurz darauf wurde Frauwallner durch das Unterrichtsministerium die venia legendi wiederverliehen, nachdem der Personalausschuss der Universität seinen Fall positiv bewertet hatte. Frauwallner konnte daher wieder am Institut aktiv werden, was er nun mit noch stärkerer Betonung seines Spezialgebiets der indischen Philosophiegeschichte tat, eben dem Gebiet, in dem er in den vorangegangenen erzwungenen Ruhestandsjahren intensiv weitergeforscht hatte. Das Resultat dieser Bemühung ist durch den 1953 erschienenen ersten Band seiner bahnbrechenden "Geschichte der indischen Philosophie" dokumentiert. Frauwallners große wissenschaftliche Leistung in diesem Gebiet wurde schon bald durch die Ernennung zum außerordentlichen Professor für Indologie und die gleichzeitige Schaffung eines eigenen Instituts für Indologie, dem er vorstand, anerkannt. 1960 erfolgte schließlich seine Ernennung zum ordentlichen Professor.

Das Institut für Indologie

1955 wurde das "Institut für Indologie" gegründet. In seiner Antrittsrede gab Frauwallner folgende programmatische Erklärung zur Orientierung der Wiener Indologie ab:

"Hier sehe ich . . . nur einen Weg, uns international zu behaupten, indem wir nämlich ein Gebiet der Indologie als besonderes Arbeitsgebiet unseres Instituts wählen, das so gepflegt wird, daß wir anderen ebenbürtig und womöglich überlegen sind. Ich habe dafür die indische Philosophie gewählt, nicht nur, weil es mein eigenes Arbeitsgebiet ist, auf dem ich meinen Schülern am meisten bieten kann, sondern weil es ein wichtiges Gebiet ist, das auch in Europa auf weiteres Interesse rechnen darf ..." (Frauwallner 1961).

Frauwallner rief auch die Wiener Zeitschrift für die Kunde Süd- und Ostasiens mit dem Archiv für indische Philosophie ins Leben, die heute unter dem Namen Wiener Zeitschrift für die Kunde Südasiens international einen hervorragenden Ruf genießt.

Frauwallners Bedeutung für die Wissenschaft gründet vor allem auf einer strengen philologisch fundierten Methode, die zuvor nur in Ausnahmefällen anzutreffen war, in Verbindung mit einer Erschließung der geschichtlichen Entwicklung der indischen Philosophie unter besonderer Berücksichtigung der Philosophie des Buddhismus und der Wechselwirkungen zwischen den philosophischen Traditionen. Diese Methode geht über eine bloß aneinanderreihende Doxographie oder ahistorisch-punktuelle philosophische Betrachtungen hinaus und mündete in Frauwallners praktisch zur Gänze nach den Quellen gearbeitete historische Darstellung wesentlicher Bereiche und Aspekte des indischen philosophischen Denkens. (Zu Frauwallners Werk und Lebe siehe jüngst Franco - Preisendanz 2010, mit einem Schriftenverzeichnis, und Stuchlik 2009).

1964 folgte Gerhard Oberhammer Frauwallner auf der Lehrkanzel und als Vorstand des Instituts für Indologie nach. Oberhammer, der zunächst der Frauwallnerschen Methode folgend im Bereich der klassischen indischen Philosophie arbeitete, erweiterte den Forschungsbereich der Wiener Indologie um die Religionshermeneutik und den Aspekt des Dialogs zwischen den indischen Religionen, vorrangig den Traditionen der Hindus, und dem Christentum. In diesem Zusammenhang erreichte er mit finanzieller Unterstützung durch Kardinal Franz König die Gründung der Bibliothek "Sammlung De Nobili", die als Leihgabe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in der heutigen Fachbereichsbibliothek für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde aufgestellt ist, und rief den Verein Sammlung De Nobili — Arbeitsgemeinschaft für Indologie und Religionsforschung ins Leben, der sich die Befassung mit grundlegenden Fragen der interreligiösen und interkulturellen Begegnung zwischen Indien und dem Westen zur Aufgabe macht, primär im Rahmen von Symposien und der bis dato (2011) 35 Bände umfassenden Publikationsreihe Publications of the De Nobili Research Library . Weiterhin sind Oberhammers zahlreiche Beiträge zur religionsphilosophischen Erschließung der Geschichte des Viśiṣṭādvaita-Vedānta sowie seine Arbeiten im Bereich des viṣṇuitischen Tantrismus hervorzuheben. (Ein Verzeichnis von Oberhammers Schriften findet sich in Oberhammer, Kleine Schriften).

Während Oberhammers Ordinariat wurde ferner eine indologische Fachbibliothek als Teil der Universitätsbibliothek eingerichtet, die zwischenzeitlich auf über 30.000 Bände angewachsen und heute ein Bereich der Fachbereichsbibliothek für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde ist. Sie beherbergt u.a. Frauwallners Nachlass.

Im Jahr 1990 organisierte das Institut für Indologie die VIII. Welt-Sanskrit-Konferenz, an der 600 Wissenschaftler teilnahmen, darunter auch etwa 300 aus Indien. Den Schwerpunkt der am Institut durchgeführten Forschung bildete weiterhin, auch durch die Arbeiten des außerordentlichen Professors Roque Mesquita (1937-2016), die Philosophie- und Religionsgeschichte der klassischen und mittelalterlichen Zeit, zu dem durch das Forschungsinteresse eines weiteren außerordentlichen Professors, Chlodwig H. Werba, die indoiranische Sprachwissenschaft hinzukam.

Das Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde

Nach der auf Oberhammers Emeritierung 1997 folgenden zweijährigen Vakanz des Lehrstuhls für Indologie wurde dieser im Herbst 1999 von Karin Preisendanz übernommen, deren Forschungsgebiet die Geschichte der indischen Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Erkenntnistheorie und Naturphilosophie sowie der frühklassische Āyurveda aus philosophie- und kulturgeschichtlicher Sicht ist und die vermittels ihrer Ausbildung in der Frauwallnerschen Tradition steht. Unter ihrer und Ernst Steinkellners Leitung gelang der Zusammenschluss des Instituts für Indologie mit dem Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde. Im Oktober 2006 emeritierte Steinkellner und zog sich so von seiner langen und äußerst produktiven Universitätskarriere zurück, die - nach vielen anderen Würdigungen - mit der Verleihung des Wittgenstein-Preises der Österreichischen Forschungsgesellschaft 2008 höchste Anerkennung fand. (Zu Steinkellners Schaffen und einem Schriftenverzeichnis siehe Kellner et al. 2007). Im März 2010 folgte ihm Klaus-Dieter Mathes als Professor für Tibetologie und Buddhismuskunde am Institut nach, dessen Forschungsinteressen in der Philosophie- und Religionsgeschichte Tibets vor ihrem südasiatischen hermeneutischen Hintergrund liegen, speziell im Bereich der mahāmūdra-Lehren und von auf ihnen basierenden philosophischen Lehren, sowie in der Kulturgeschichte tibetisch-buddhistischer Enklaven in Nepal. Im Bereich der Südasienkunde trat im Jänner 2007 Martin Gaenszle seinen Dienst als Professor für Kultur- und Geistesgeschichte des neuzeitlichen Südasien an. Seine - für das Institut neuen - Interessensgebiete liegen im Bereich der Forschung zum religiösen Pluralismus im neuzeitlichen Südasien, zu ethnischen Minderheiten und ihrer Geschichte, sowie zu den oralen Traditionen, im Bereich der Sprachanthropologie des neuzeitlichen Südasien und der Kolonialgeschichte.

Mit dem Wintersemester 2011/2012 konnte am Institut eine vom Indian Council for Cultural Relations (ICCR) und dem Dekanat der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät finanzierte Gastprofessur für Südasienkunde eingerichtet werden.

Die Tibet- und Buddhismuskunde

Das Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde

Das Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde wurde im Jahr 1973 gegründet und stand bis zum Jahr 2000 unter der Leitung von Ernst Steinkellner, der ebenso wie Oberhammer Schüler Frauwallners war und vor allem durch seine in dessen Tradition stehenden Arbeiten zur buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie namhaft wurde. In diesem Bereich konnte sich das Institut zu einem internationalen Zentrum entwickeln, das eine große Zahl von Gastforschern und –studierenden aus vielen Ländern — vor allem aus Japan — anzog. 1989 organisierte das Institut in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kultur– und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die zweite internationale Dharmakīrti-Konferenz, von der wesentliche Impulse für die Erforschung der buddhistischen Logik und Erkenntnistheorie Indiens und Tibets ausgingen. Das 1997, wiederum gemeinsam mit dem Asieninstitut der Akademie organisierte siebte "Seminar of the International Association for Tibetan Studies" in Seggau zeugte von der regen Aktivität des Instituts in Forschung und internationaler Kooperation im Fach Tibetologie. Im Jahr 2000 übernahm der außerordentliche Professor Helmut Tauscher, Spezialist auf dem Gebiet des indischen und tibetischen Madhyamaka, die Funktion des Institutsvorstands, die er bis zur Gründung des Instituts für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde ausübte.

Das Institut zeichnete sich auch durch seine quellenkundlichen Arbeiten auch zur tibetischen Religions- und Geistesgeschichte aus und erweiterte damit den Anwendungsbereich von Frauwallners Methoden über Südasien hinaus.

Einen neueren zusätzlichen Schwerpunkt bildete die Kunstgeschichte des indo-tibetischen Raums mit der Erforschung der indo-tibetischen Klosterkunst ab dem zehnten Jahrhundert. Die zu diesem Schwerpunkt entstandene umfassende Diathek wurde 1997 im Institut für Kunstgeschichte aufgestellt, wo seit 1996 Deborah Klimburg-Salter die Professur für außereuropäische Kunstgeschichte innehat.

Als weiteres wesentliches Forschungsinteresse am Institut etablierte sich vor allem in der Dekade nach 1990 die tibetische Kultur- und Sozialanthropologie, was zu mehreren Forschungsprojekten gemeinsam mit dem Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (vormals Institut für Ethnologie) der Universität Wien führte.

Der 1977 gegründete Verein Arbeitskreis für Tibetische und Buddhistische Studien fungiert hauptsächlich als Herausgeber der international renommierten Publikationsreihe Wiener Studien zur Tibetologie und Buddhismuskunde, die mittlerweile (Stand 2011) 73 Monographien und Sammelbände umfasst, die weit über den Forschungsbereich der Wiener Tibet- und Buddhismuskunde hinausreichen.

1999 konnte eine Gastprofessur für Buddhismuskunde der Numata-Stiftung begründet werden, die seitdem das Lehrangebot des Instituts und ab dem Jahr 2000 des Nachfolgeinstituts bereichert.

Die etwa 15.000 Bände umfassende Bibliothek, jetzt ein Teil der umfassenden Fachbereichsbibliothek für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, kann zusätzlich zu ihren Beständen in den Kernbereichen Tibet und Buddhismus auch mit Sammlungen zur Mongolei und zu den Himalayaländern (z.B. Nepal) sowie kleineren Sammlungen von Mikrofilmen (z.B. Tabo-Handschriften) und Karten aufwarten. Eine am Institut zusammengetragene Sonderdrucksammlung sowie die singhalesische Bibliothek aus dem Nachlass Heinz Bechert ergänzen diese Bestände.

Das Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Das Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens geht letztendlich auf die "Kommission für die Sprachen und Kulturen Süd- und Ostasiens" zurück, die auf die Initiative Frauwallners hin 1956, also gleich nach der Gründung des Instituts für Indologie der Universität Wien, von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eingesetzt wurde. Dank der Bemühungen Oberhammers gelang 1991 die Gründung des Instituts, als dessen Direktor er bis kurz nach seiner Emeritierung fungierte, eine Position, in der ihm Steinkellner nachfolgte. Naturgemäß besteht, auch unter Steinkellners Nachfolgern Helmut Krasser (2007-2014), Vincent Eltschinger (2014-2015) und Birgit Kellner (seit 2015), eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens und dem Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, was Wien zu einem einmaligen Standort der involvierten Fachdisziplinen und besonderen Schwerpunkte macht.

Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde
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