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"Neue Erwägungen zur Buddhanatur: Mi bskyod rdo rje und tathāgatagarbha Debatten"

Leitung: Prof. Klaus-Dieter Mathes

Mitarbeiter: Dr. Martina Draszczyk (01.10.2015 - 30.09.2018), Dr. David Higgins (01.10.2015 - 30.09.2018), Khenpo Konchok Tamphel, M.A. (01.10.2015 - 30.09.2018)

Dauer:  01.10.2015 - 30.09.2018
Projekttyp: FWF Projekt, P28003-G24


Ein Anliegen der postklassischen Bka’ brgyud Mahāmudrā Exegese war es, zwei grundlegende Wahrheitsmodelle, die von indischen und tibetischen Meistern debattiert worden sind, miteinander in Einklang zu bringen: [1] Ein Unterscheidungsmodel, das auf einer Trennung zwischen konventioneller und absoluter Wahrheit und der damit verbundenen Arten der Wahrnehmung und Leerheit beruht und [2] ein Identifikationsmodel der zwei Wahrheiten und der damit verbundenen Arten der Wahrnehmung und Leerheit. Das Unterscheidungsmodel war mit der Sicht verknüpft, dass das Absolute (die Buddhanatur, die Natur des Geistes oder der Wirklichkeit) dem Geist inhärent ist, was seine „erhabene Andersartigkeit“ von allem Konventionellen und Hinzugekommenen unterstreicht. Das Identifikationsmodel fokussiert sich auf die Sicht einer Grundlage, die alle bedingten und nichtbedingten Phänomene vereint. Um anzudeuten, wie das Absolute im Geiststrom des Einzelnen im samsarischen Dasein gegenwärtig ist, betont es, dass es dem Konventionellen immanent ist und dieses durchdringt. Ein zentrales Ziel dieses Projekts wird es sein, festzustellen wie Mi bskyod rdo rje (1507-1554) und seine Glaubensgenossen bestrebt waren, diese Modelle im Kontext der Buddhanatur in Einklang zu bringen, und wie dies ihr Verständnis der zwei Wahrheiten (satyadvaya), der dreifachen Natur (trisvabhāva), der zwei Arten der Leerheit (rang stong und gzhan stong) und der Hermeneutik der drei Lehrzyklen geprägt hat. Unter Verwendung dialektischer Begründungen des Madhyamaka wurde häufig versucht, einen Mittelweg zwischen den polarisierten gzhan stong and rang stong Positionen einzuschlagen, die die meisten tibetischen Schulen seit dem 14. Jahrhundert entzweit hatte. Auf der einen Seite strebten Meister wie Mi bskyod rdo je danach, Zuschreibungen einer dauerhaften metaphysischen Wirklichkeit zu vermeiden, eine Sicht, die mit der Jo nang Schule in Verbindung gebracht wurde. Auf der anderen Seite vermieden sie es, die menschliche Realität in Abrede zu stellen; dies sahen sie als das unerwünschte Resultat davon an, das Absolute als reine Leerheit zu verstehen, als völlige Abwesenheit von allem, ein Bereich der reinen Negation und damit eine Sicht, die sie vor allem mit der Dge lugs pa Schule in Verbindung brachten. In diesem Zusammenhang wird die Forschungsarbeit Fragestellungen nachgehen, wie z. B. in welcher Weise formulierte und vermittelte Mi bskyod rdo rje zwischen rang stong und gzhan stong Sichtweisen der Leerheit? Was sind seine Sichtweisen bezüglich der Paradigmen der Zielverwirklichung durch Entwicklung und Enthüllung und wie haben sich seine Sichtweisen zur Buddhanatur als Reaktion zu konkurrierenden Theorien zur Buddhanatur entwickelt?

Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde
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