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Nina Mirnig:

"Vorstellungen über die Seele im shivaitischen Tantra: Lektüre des Kiraṇatantra 1-3"

UE, 5 ECTS, 2 SSt.

Studienplancodes: MASK3a, MATB3b

Termin: Do, 15:15-16:45, SR 2 SAK, ab 13.10.


Online-Anmeldung unbedingt erforderlich! Anmeldezeitraum: 1.9., 8:00 - 30.9., 12:00. Abmeldung möglich bis 21.10., 23:59.


Unterrichtssprache: Englisch/Deutsch nach Wunsch der Teilnehmer.


Mit spätestens Beginn des 6. Jahrhunderts fingen shivaitische tantrische Gruppen an, eine zunehmend prominente Rolle unter den religiösen und philosophischen Traditionen Indiens anzunehmen. Neben dem Gewinn übernatürlicher magischer Kräfte (siddhi) war das größte spirituelle Ziel der Tantrikas, Befreiung (mokṣa) zu erreichen, welche in shivaitischen Systemen der Erlangung des göttlichen Status von Shiva entspricht. Die Vorstellungen dazu waren, dass die gebundene Seele (paśu) durch die Fesseln der Verunreinigung (mala) mit Unwissenheit im Kreislauf der Wiedergeburten (saṃsāra) gehalten wird. Erst durch Shivas Güte (anugraha) und seine Kraft (śakti) fängt der paśu an sich nach Befreiung zu sehnen und geht auf die Suche nach einem tantrischen Guru, um eine Initiation (dīkṣā) zu bekommen. Das Innovative an der tantrischen Ritualtechnik ist, dass durch diese Art der Initiation die Verunreinigung der Seele durch karma, die sie im saṃsāra gefangen hält, durch die Mantras und Ritualhandlungen vollkommen zerstört wird, so dass der Seele schon zu diesem Zeitpunkt die göttliche Befreiung nach dem Tod garantiert ist.

In dieser Übung werden wir die Kapitel 1–3 des Kiraṇatantra lesen, die sich der Ontologie der gebundenen Seel (paśu), der Urmaterie (māyā), den Fesseln der Verunreinigung (mala) und dem Konzept von karma in der tantrischen Theologie widmen. In manchen Fällen wird auch der Kommentar des Philosophen Bhaṭṭa Rāmakhaṇṭas zugezogen, der im 10. Jahrhundert in Kashmir tätig war. Die ausgesuchten Textteile werden den Studierenden die Möglichkeit geben, die Grundprinzipien der Theologie der Befreigung (mokṣa) im frühen shivaitischen Tantra zu erarbeiten.

Erwartet wird von den TeilnehmerInnen die gründliche Auseinandersetzung mit den Sanskrittexten, die Präsentation eigener Übersetzungen und Analysen im Unterricht, die Beteiligung an der Erarbeitung sowie Problematisierung des gelesenen Stoffes und die Lektüre der empfohlenen Sekundärliteratur.

Ziele:
(a) Das Kennenlernen der Grundprinzipien der shivaitischen Leere zur Befreiung (mokṣa). (b) Erwerb grundlegender Kenntnisse zur Geschichte des frühen Śivaismus. (c) Ausbau und Erweiterung der Sanskritkenntnisse. (d) Die eigenständige Erschließung, Analyse und kritische Interpretation der Textquelle, auch unter Berücksichtigung des textkritischen Apparates.

Zeugniserwerb: Mündliche und schriftliche Leistungen bilden zu jeweils 50% die Grundlage der Bewertung. Die mündliche Leistung besteht in der kontinuierlichen Mitarbeit, insbesondere bei der Präsentation von Übersetzungen und Textanalysen und der Beteiligung an der Diskussion und Textinterpretation, auch unter Berücksichtigung empfohlener Sekundärliteratur. Die schriftliche Leistung umfasst einige kleinere Hausarbeiten und -übungen sowie einen schriftlichen Test. Maximal drei Abwesenheiten werden toleriert, wenn Kompensationsaufgaben erfüllt werden. Werden mehr als drei Sitzungen versäumt, erfolgt eine negative Bewertung; in begründeten Ausnahmefällen kann mit der Lehrveranstaltungsleiterin eine Kompensationsaufgabe vereinbart werden.

Schriftliche Unterlagen werden zu Beginn der Lehrveranstaltung zur Verfügung gestellt werden.

Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde
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